FrankMK
Aquaristik König

Dabei seit: 19.12.2004
Beiträge: 4.282
Herkunft: Haltern am See
Alter: 44
 |
|
Bodengrund Sand o. Kies ? |
 |
Hallo,
vielen stellt sich die Frage welchen Bodengrund nehme ich - Sand oder Kies. Zuerst einmal die Definition was eigentlich Sand ist. Nach DIN 4022 ist alles mit einer Körnung kleiner 2mm Sand. Der Sand wird dann noch in Grobsand (1-2mm), Feinsand (0,1-1mm) und Schluff (<0,1mm) aufgeteilt. Alles oberhalb von 2mm-2cm ist Kies. Es gibt noch feinere Unterteilungen, aber für unser Verständnis reichen die hier angegebenen Stufen.
Allgemeines
Egal, ob man Kies oder Sand als Bodengrund verwenden möchte, gibt es einiges zu beachten, damit man keine Fehler macht :
- Der Bodengrund sollte eine gleichbleibende Körnung besitzen, sprich der Kies oder Sand sollte eine einheitliche Grösse besitzen. Eine unterschiedliche Körnung führt zu einer Verfestigung des Bodengrundes, das Wasser kann den Bodengrund nicht mehr durchfliessen, dadurch können sauerstoffarme Regionen im Kies entstehen, die mit der Zeit anfangen zu gammeln.
- Abgerundeter Kies oder Sand trägt dazu bei, das sich die Fische nicht an scharfen Kanten verletzen können. Zudem ist die Gefahr bei grösseren Fischen geringer, dass diese bei bodengrundumgraben mit dem scharfkantigen Kies die Pflanzen verletzen.
- Es ist unbedingt darauf zu achten, das man keinen kalkhaltigen Kies oder Sand erwirbt. Solcher Bodengrund härtet das Wasser auf, was in den meisten Fällen unerwünscht ist. Eine Ausnahme bilden Hartwasserfische (Tanganjika etc.), bei denen eine Aufhärtung des Wassers durch den Bodengrund sogar erwünscht ist.
- Man muss auch darauf achten das keine organischen Stoffe im Bodengrund sind, da sie sonst gammeln.
- Bitte keinen eingefärbten Kies oder Sand als Bodengrund verwenden. Es gibt solchen Bodengrund leider in diversen unnatürlichen Farben. Nebst dem kitschigen Aussehen besteht die Gefahr, dass Stoffe, die für die Färbung des Bodengrundes notwendig sind, mit der Zeit ins Wasser abgegeben werden können. Eine Gefahrenquelle, die nicht sein muss und einfach ausgeschlossen werden kann, in dem man solchen Bodengrund erst gar nicht kauft.
Der Bodengrund sollte eine Mindesthöhe von 5cm haben. Vorteilhaft für die Optik ist hierbei, wenn der Bodengrund zum Hintergrund hin ansteigt. Dadurch wirkt das Becken optisch tiefer als es in Wirklichkeit ist. Vor dem einfüllen des Bodengrundes sollte dieser grundsätzlich gewaschen werden um evtl. Verunreinigungen durch falsche Lagerung und um Schluff zu entfernen. In jedem Aquarium sollten Turmdeckelschnecken enthalten sein. Sie entfernen Reste, abgestorbene Pflanzenteile und unbemerkt verendete Fische. Sie sind auch ein guter Indikator für die Fütterung. Wenn man zuviel füttert hat man mehr Schnecken.
Kies
Kies gibt es in unterschiedlichen Grössen, Formen und Farben. Vernünftigerweise beschränkt man sich hierbei auf im Wasser natürlich vorkommene Farben.
Auf dem Kies im Aquarium siedeln sich mit der Zeit wichtige Bakterien an, wie sie auch im Filter zum Abbau diverser Stoffe vorkommen. Bei einer gleichbleibenden Körnung (Größe) wird sichergestellt, jeder Kiesel vom Wasser umspült wird. Dadurch erhält man einen Zusatzfilter im AQ . Eine Bodenheizung kann diesen Effekt unterstützen. Natürlicher Kies hat hierbei einen Vorteil gegenüber maschinell hergestelltem da die Oberfläche von natürlichem Kies rauer ist und sich so mehr Bakterien ansiedeln können.
Kies hat aber auch einen Nachteil. Durch die grossen Lücken zwischen Steinen können Futterreste und anderer Abfall zwischen den Kies gelangen und dort vergammeln wenn das Aquarium nicht gut gepflegt wird. Durch die zugesetzten Lücken verliert der Boden mit der Zeit auch seine unterstützende Filterwirkung. Die gammelnden Reste zeigen sich durch durch übelriechende aufsteigende Gasblasen im Aquarium. Wenn es so weit ist hilft nur noch eine Neueinrichtung des Aquarium.
Sand
Sand ist in unterschiedlicher Körnung von 0,2 mm - 2 mm in diversen Fachgeschäften erhältlich. Auch hier gibt es unterschiedliche Preisklassen : von billig (Sand von Flüssen, Kiesgruben) bis teuer (Spezialsand für AQ). Eine alternative ist der Baumarkt, wo man günstig an Sand kommt. Die beste Alternative ist feuergetrockneter Quarzsand mit einer Körnung von 0,1-0,5mm am besten noch gewaschen. Spielsand/Sandkastensand geht auch, nur nicht schon benutzt aus dem Sandkasten wg. evtl Verunreingungen die nicht durch auswaschen entfernt werden können. Für Sandkastensand ist auch vorgeschrieben, daß er chem. nicht belastet sein darf, frei von organischen Anteilen sein muss und die Körnung 0,1-0,5mm schlufffrei sein sollte. Auch von Sand von der Baustelle sollte man die Finger lassen. Mit Beton kontaminierter Sand kann tödlich fürs Aquarium sein. Terrariensand oder Vogelsand ist auch nicht für das AQ geeignet, weil er Kalk enthält und somit das Wasser aufhärtet. Oft sind in diesem Sand auch organische Anteile enthalten die für Vögel und Reptilien notwendig sind aber im Wasser gammeln.
Im Gegensatz zu Kies kann das Wasser in Sand nicht gut eindringen und durchdringt nur den ersten Zentimeter. Daher ist die Wirkung als Filter zu vernachlässigen. Der Vorteil ist aber das das gleiche auch für die Futterreste gilt und somit keine gammelnden Stellen entstehen können. Nur in ein paar Ecken ensteht Mulm den man in Ruhe lassen sollte, da sich dort Bakterien und Kleinstlebewesen ansiedeln die von Vorteil für die Aqureiumsökologie sind. Jungfische finden dort auch ihre erste Nahrung.
Welcher Bodengrund ist besser ?
Beide Bodengrundarten haben Vorteile und Nachteile.
Kies wirkt als biologischer Filter, kann aber verdrecken u. gammeln
Sand vergammelt nicht, wirkt nicht als biologischer Filter, wird von div. Fischarten zwingend vorrausgesetzt.
Es gibt nahezu keine Fischart die nicht mit Sand klar kommt. Es gibt aber genug Fischarten die keinen Kies vertragen, weil sie den Sand zum reinigen ihrer Kiemen benötigen bzw. sich im Sand einbuddeln.
Reinigung
Zum reinigen des Bodengrundes benutzt man einen Schlauch oder eine sogenannte "Mulmglocke". Hierbei geht man mit der Öffnung bei Kies dicht über die Oberfläche und saugt den Mulm ab. Bei Sand hält man 3-4cm Abstand von der Oberfläche um nur den Mulm zu erwischen und nicht den Sand abzusaugen. Den genauen Abstand bekommt durch probieren raus. In einem gut eingelaufenem Aquarium wird aber kaum Mulm auf Sand vorhanden sein.
Auf keinen Fall darf man mit dem Schlauch oder der Mulmglocke im Bodengrund rumstochern. Das gilt für Kies und für Sand.
|
|